Zeitzeugin zu Besuch: Henny Franks – „en escht kölsch Mädscher“

Am 22.4.2015 hatten die Schülerinnen und Schüler des evangelischen und katholischen Religionskurses der Stufe 10 die besondere Chance, eine jüdische Zeitzeugin des Zweiten Weltkrieges persönlich zu erleben. Eine gute Stunde lang hörten sie gebannt zu, wie Henny Franks – mittlerweile 91 Jahre alt – eindrucksvoll aus ihrem Leben berichtete.

Henny Franks (geb. Grünbaum) wurde 1923 in Köln geboren und lebte bis zur Reichspogromnacht mit ihrer Familie in der Kölner Südstadt. Sie führte bis 1933 mit ihren Eltern, ihr Vater war Schneider, ihre Mutter besaß ein Möbelgeschäft, ihrem Bruder und ihrer Schwester ein ganz normales Leben – sie ging zur Schule, genoss die großen Ferien mit Völkerball und Co., feierte Karneval am Neumarkt, liebte Kamelle und traf sich mit ihren Freunden. Bis zu dem Zeitpunkt, als die Nationalsozialisten den jüdischen Mitbürgern das Leben zur Hölle machten. Die Reichspogromnacht im November 1938 machte Hennys Eltern bewusst, dass für jüdische Familien in Deutschland nichts mehr würde wie früher. Sie beschlossen daher, ihre Kinder in Sicherheit zu bringen – nach Großbritannien zu Verwandten der Familie. Mit Hilfe der sogenannten Kindertransporte, die der Direktor des jüdischen Gymnasiums Jawne in Köln organisierte, wurden die Kinder der Grünbaums ohne ihre Eltern nach London gebracht; erst die beiden Schwestern, ein wenig später folgte der Bruder. Henny war zu diesem Zeitpunkt 15 und arbeitete während des Kriegs für die britische Armee. Die Eltern flohen aus Deutschland, doch der Vater wurde in Südfrankreich festgenommen und in Sobibor umgebracht. Die Mutter schaffte es bis nach Italien und konnte von dort aus zu Fuß über die Alpen nach Großbritannien gelangen.

Henny Franks kehrte nach dem Krieg nicht nach Deutschland zurück; sie heiratete in England, bekam zwei Kinder und baute sich dort ein neues Leben auf. Allerdings fährt sie seit jeher regelmäßig nach Köln, es ist nach wie vor ihre Heimat – sie ist halt trotz allem ein kölsches Mädcher geblieve!

 

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