Streitschlichter

Zur Gewaltprävention wird unter anderem in der 9. Klasse die Ausbildung zum Streitschlichter angeboten. Ältere Schüler kennen aus eigener Erfahrung und dem täglichen Erleben und Beobachten die Situation jüngerer Schüler sehr genau: Diese werden häufig in Konflikte verwickelt, die Streitigkeiten werden heftig ausgetragen, oft bleiben nach Konflikten Ängste, Unzufriedenheit und Rachegefühle zurück. Relativ harmlose Streitigkeiten eskalieren oft und werden auf dem Heimweg, im Bus oder zuhause fortgesetzt.

Sinn & Ziel

Konfliktlösungen im Schulalltag werden allzu oft unter Zeitdruck durchgesetzt. Ein Verlierer bleibt zurück, die Beteiligten haben keine Gelegenheit sich ausführlich zu äußern, die beiden Kontrahenten vertragen sich nicht, wenn z.B. die Lösung von einem Lehrer vorgegeben wird, ohne dass die Zustimmung der Streitenden zu dieser Lösung erreicht wird. Strafe steht manchmal anstelle der Wiedergutmachung.
Ältere Schülerinnen und Schüler erkennen solche Schwachstellen der üblichen Konfliktlösungen in der Schule schnell. Diese Einsicht kann sich einstellen, wenn ein solcher Konfliktausgang mit einem Video oder besser noch mit Hilfe eines Rollenspiels dargestellt wird.
Wenn die Schülerinnen und Schüler dies herausgefunden haben, wird ihnen das Modell der Streitschlichtung erklärt. Dabei soll deutlich werden, dass mit einer Streitschlichtung hätte vermieden werden können, was die Schülerinnen und Schüler vorher als falsch oder hinderlich für eine dauerhafte Konfliktlösung erkannt haben.
Es gibt viele Schülerinnen und Schüler, die aktiv an der Gestaltung ihrer Schule mitwirken wollen und froh sind, Verantwortung übernehmen zu dürfen, und die sich auch zutrauen, erforderliche Einstellungen und Fähigkeiten zu lernen wie z.B.
  • die Bereitschaft Neues auszuprobieren,
  • in Schwierigkeiten nicht sofort aufzugeben,
  • aktiv zuzuhören,
  • neutral zu bleiben,
  • einfühlsam zu sein,
  • schweigen zu können und
  • sich zurückzuhalten, damit die Kontrahenten selbst den Konflikt lösen.
Sie erkennen, dass es sich um eine spannende und interessante Ausbildung handelt. Sie sehen für sich selbst einen großen Gewinn im Hinblick auf ihre persönliche Entwicklung. Bei ihrer Tätigkeit als Schlichter werden sie spüren, welch wichtigen Stellenwert sie an der Schule haben. Besonders motiviert werden sie sein, wenn sie bereits in der Schule Gelegenheit hatten, Verantwortung zu übernehmen und sich z.B. für jüngere Schülerinnen und Schüler einzusetzen.

Die Streitschlichter-Ausbildung
Die Ausbildung der Schlichterinnen und Schlichter findet im 9. Schuljahr im Rahmen des WP II-Unterrichts statt. Über einen Zeitraum von einem Schuljahr werden 10 bis 15 Mädchen und Jungen jeweils 2 Stunden pro Woche trainiert. Es stehen zwei Trainer zur Verfügung, so dass jede Gruppe klein bleibt. Aktivitäten und Informationen in der Gesamtgruppe und in der Kleingruppe wechseln sich ab.
Folgende Elemente sind Bestandteil der Ausbildung.
Aktives Zuhören
Diese Art des Zuhörens ist Ausdruck des Respekts dem Erzählenden gegenüber und erleichtert die Aufgabe, bei der Klärung von Problemen zu helfen. Die Schülerinnen und Schüler lernen u.a., sich dem anderen – auch durch die Körperhaltung (s.u.) – zuzuwenden und ihn anzuschauen, angemessen nachzufragen, ggf. Rückmeldungen zu geben, mit anderen Worten ein Gespräch so zu fahren, dass der andere sich verstanden und ernst genommen fühlt.
Ich-Botschaften
Schülerinnen und Schüler können lernen, eigene Gefühle und Meinungen in der Ich-Form auszudrücken, ohne versteckte Vorwürfe zu erheben. Verletzende oder verallgemeinernde Botschaften werden so vermieden. Der andere erfährt, wie die Wirkung seines Verhaltens ist und welche Gefühle es ausgelöst hat.
Körpersprache
 
Schülerinnen und Schüler machen sich oft wenig Gedanken über die Bedeutung nonverbaler Kommunikation. Sie erfahren beim Training, dass Ausdrucksformen wie Gestik, Mimik, Tonfall, Körperhaltung oder Handlungen beim anderen eine Wirkung haben und bestimmte Gefühle auslösen können.
Lösungsvorschläge sammeln
Mit dem Verfahren des Brainstorming kann in der Schlichtung von den beiden Kontrahenten eine geeignete Lösung gesucht werden. An der Qualität der Lösungen entscheidet sich, ob die Schlichtung gelingt. Deshalb muss dieser Teil des Schlichtungsgesprächs und die Rolle des Schlichters in dieser Phase in vorbereitenden Rollenspielen besonders sorgfältig eingeübt werden.
Konfliktgespräch führen und schlichten
Im Rollenspiel üben die zukünftigen Schlichterinnen und Schlichter auch die vier Schritte der Streit-Schlichtung ein.
Einleitung,
Klärungen,
Lösungen,
Vereinbarungen.
Günstig ist es, wenn drei Schüler die Rollen der Kontrahenten und des Schlichters übernehmen und ein weiter Schüler zusammen mit dem Trainer als Beobachter fungiert. Dieser Teil der Ausbildung umfasst mehrere Nachmittage.
Comments are closed.